Förderung und Therapie

Ganzheitlich - in jedem Fall

Der autistische Mensch fordert sein ganzes Umfeld. Die Autismus-Ambulanz berücksichtigt deshalb die Anliegen und Konflikte aller Betroffenen, z.B. der Eltern und Bezugspersonen, Freunde und Lehrkräfte etc. Die ganzheitliche Betrachtung jedes Einzelfalles ist Voraussetzung für den Erfolg unserer Arbeit.

Die vielfältigen autistischen Erscheinungsformen müssen in ihrer Einmaligkeit betrachtet werden. Was ist der Sinn einer autistischen Verhaltensweise? Welche Bedeutung hat sie für den Betroffenen? Diesen Fragen stellt sich unser Fachteam mit seinen verschiedenen Disziplinen. Richtig verstanden geben auf den ersten Blick unverständliche Verhaltensmuster wertvolle Hinweise auf bestmögliche Behandlungsziele, Methoden und Therapien.

In unserem Therapiezentrum fördern wir autistische Kinder und Jugendliche einmal wöchentlich mit einer festen therapeutischen Bezugsperson.

 

Die nachhaltige Arbeit mit autistischen Menschen fordert von unseren Mitarbeiter/-innen ein Höchstmaß an Wissen und Erfahrung. Anerkannte Therapien am wissenschaftlichen Puls der Zeit und fundierte pädagogische Arbeit sind Grundlage unseres autismusspezifischen Handelns. Wir arbeiten nach folgenden Methoden:

Unterstützte Kommunikation, Kommunikationsanbahnung und -training
Kommunikation ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Sie ermöglicht die eigenen Wünsche, Bedürfnisse, Gefühle und Ängste mitzuteilen, über wichtige Veränderungen in seinem Leben mitzubestimmen und von anderen verstanden zu werden. Erfolgreiche Kommunikation ist Voraussetzung um Selbstbewusstsein zu entwickeln und seinen Platz in der Gesellschaft zu finden.
Heute gibt es gute Möglichkeiten, auch Menschen mit schweren Kommunikationsbeeinträchtigungen eine „Stimme" zu geben, sei dies durch Bild- und Symbolsysteme, Gebärden oder durch die Gestützte Kommunikation (Facilitated Communication FC), die vor allem bei Menschen mit autistischem Verhalten Erfolg verspricht. Gestützte Kommunikation ist keine Therapie- oder Heilmethode, sondern eine heilpädagogische Trainingsmethode. Die Mitteilung erfolgt durch gezieltes Zeigen der Person auf Buchstaben, Bilder oder Objekte bei physischer Unterstützung an Hand, Handgelenk, Ellbogen oder Schulter.

Heilpädagogische Verhaltensmodifikation
In kleinen, verstehbaren Schritten bahnen wir neue Verhaltensweisen an. Einmal erworben, erhöhen sich die Handlungsmöglichkeiten im Alltag.
Die Heilpädagogische Verhaltensmodifikation schafft Sicherheit, Stabilität und Orientierung. Sie macht dem autistischen Menschen seine Umwelt, alltägliche Erlebnisse und Zusammenhänge verständlicher. Eigenes Handeln wird planbar, sozial unangemessenes Verhalten gleichzeitig reduziert. So fördern wir die Selbstständigkeit und Lebensqualität des Menschen mit Autismus bestmöglich.
Strukturierungshilfen können dabei ganz individuell entwickelt und gestaltet werden und finden meist in Form visueller Hilfen Anwendung. Das TEACCH Konzept „Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children" hat sich dabei in besonderer Weise in der Arbeit mit autistischen Menschen bewährt.


Führen nach Affolter
Dr. Félicie Affolter geht in ihrem Ansatz davon aus, dass sich jeder Mensch mit seiner Umgebung, Ursachen und Wirkungen auseinandersetzen müsse. Nur so lerne der Mensch seine Umwelt und sich selbst kennen.
Das Affolter-Konzept wird auch „Geführte Interaktionstherapie" genannt. Durch das geführte Verrichten alltäglicher Handlungen wird der Mensch mit beeinträchtigter Wahrnehmung mit seiner Umwelt vertraut und lernt, sich selbständig zurecht zu finden. Jeder noch so kleine Fortschritt bringt das Selbstvertrauen voran.


Sozialkompetenztraining
Menschen mit Autismus kann es schwer fallen, soziale Regeln zu verstehen. Welches Verhalten ist in welcher Situation angemessen? Was bewegt den anderen Menschen? Wo sind seine Grenzen? Und welche Wünsche habe ich selbst? Solche Fragen stellen autistischen Menschen vor große Herausforderungen.
Im geschützten Rahmen der Autismus Ambulanz hilft das Sozialkompetenztraining. Alltäglicher zwischenmenschlicher Umgang übt das soziale Miteinander. Autistische Menschen lernen, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und mitzuteilen. Die Grenzen anderer Menschen werden wahrgenommen und respektiert. Nur durch „echte" Begegnung kann soziale Kompetenz „gelernt" werden.


Heilpädagogische Spieltherapie - Spiel ist die Sprache des Kindes
Die heilpädagogische Spieltherapie versteht das Spiel als Prozess der Selbstdarstellung, Selbstheilung und Selbstverwirklichung. Die Spielfähigkeit autistischer Kinder muss häufig entwickelt und unterstützt werden. Spiel ist dabei gleichermaßen Therapiemedium als auch Therapieziel. Kinder nehmen hier ihre Gefühle wahr und gehen angemessener mit ihnen um. Der autistische Mensch öffnet sich in der Spieltherapie neuen Erfahrungen und erkennt verzerrte Wahrnehmungen. Das Selbstbewusstsein wird gestärkt, kindliche Verhaltensstörungen reduziert.

Kunsttherapie
Hier sind die kreativen Potentiale des autistischen Menschen gefragt. Kunsttherapie stimuliert die sinnliche Wahrnehmung und übt den kreativen Ausdruck. Sie stärkt die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein.

Musiktherapie
Musik ist Kommunikation ohne Worte. Deshalb beziehen sich Menschen mit Autismus gerne auf Rhythmen, Töne und Klänge. Rhythmus bietet zeitliche Orientierung und Sicherheit. Beim aktiven Musizieren kann das Kind seine Stereotypien und andere Verhaltensmuster überwinden. Musikrezeption fördert die Wahrnehmung.

Wahrnehmungsförderung
Autistische Menschen erfahren sich selbst und die Umwelt auf eine „eigene" Weise. Umgebungsreize können sie schnell überfordern. Die Förderung der Wahrnehmung ist deshalb grundlegendes Ziel der autismusspezifischen Therapie. Die Autismus-Ambulanz arbeitet u. a. nach den Methoden der Sensorisch Integrativen Pädagogik.

Sensorisch Integrative Pädagogik
Sensorische Integration ist ein neurologischer Prozess: Das Gehirn ordnet und interpretiert eingehende Sinnesreize fortwährend. Der Mensch lernt und ist in seiner Umwelt orientiert. Kinder und Jugendliche mit Autismus sind in der Reizverarbeitung beeinträchtigt. Viele typische Verhaltensweisen sind Ausdruck dieser gestörten Wahrnehmungsverarbeitung. Sensorische Integration fördert die Verarbeitung der Sinneseindrücke aus der Umwelt und aus dem eigenen Körper.


Jeder Mensch ist einzigartig.
Jeder Mensch mit Autismus ist einzigartig.
Jede Therapie ist einzigartig.

© 2008 Stadtmission Nürnberg | Impressum | Datenschutz